als Ortsbeiratsvorsitzende der Ortsteile Keitum und Munkmarsch möchte ich euch ganz herzlich zur diesjährigen Biike begrüßen. Wir sind heute am Keitumer Biikeplatz zu einem der traditionsreichsten Sylter Feste zusammengekommen. Einstmals ein Fest zur Vertreibung des Winters, ein Fest zur Verabschiedung der Seefahrer. Aber dieses Feuer brennt nicht nur für die Tradition. Es brennt für uns! Es brennt für unsere Gemeinschaft! Doch während heute die Flammen lodern, stellt sich die Frage: Wohin steuert Sylt?
Reinhard Mey beschreibt in seinem Lied Das Narrenschiff eine Fahrt ins Ungewisse: "Der Steuermann lügt, der Kapitän ist betrunken, und der Maschinist in dumpfe Lethargie versunken. Die Mannschaft – lauter meineidige Halunken, der Funker zu feig, um SOS zu funken." Manchmal fühlt es sich an, als sei das auch unser Kurs. Für die einen sind wir eine Goldstaubinsel, eine Hochglanzmarke, die sich gut verkaufen lässt. Die anderen malen ein Bild des Untergangs, als sei Sylt ein Narrenschiff, das auf den Eisberg zurast. Eine Insel, die nur gerettet werden kann, wenn man sie neu erfindet – und am besten gleich mit neuen Regeln und neuen Besitzern. Und dann sind da noch die Resignierten, für die die Fehler der Vergangenheit nicht mehr zu heilen sind. Und währenddessen feuern die Zeitungen aus vollen Rohren. Überschriften voller Dramatik, Skandale, die oftmals keine sind, Geschichten, die spalten statt verbinden.
Und in diesem Moment taucht sie auf, die Sylt Charta – eine Vision, die vorgibt, die Insel retten zu wollen. Ein Dokument voller wohlklingender Worte. Doch ist sie wirklich die Rettung der Titanic vor dem Untergang? Hier auf der Insel erleben wir es immer wieder: Große Worte, große Pläne, große Versprechungen, doch am Ende bleibt oft wenig davon übrig. Sylt ist weder eine Goldstaubinsel, noch ein Narrenschiff, noch hoffnungslos verloren. Denen die das behaupten, halte ich entgegen: „Entschuldigung, wir leben hier.“ Wir tragen jeder auf seine eigene Weise dazu bei, dass die Insel lebendig bleibt. Denn Sylt ist unser Zuhause! Und deshalb brennt dieses Feuer heute für uns. Für die, die Sylt nicht nur als Wirtschaftsfaktor oder Kulisse sehen, sondern als Zuhause. Wir haben kein Narrenschiff bestiegen. Wir stehen mit beiden Füßen auf festem Boden. Wir sind es, die jeden Tag dazu beitragen, dass Sylt lebendig bleibt. Und das bedeutet mehr, als nur eine Adresse auf einer begehrten Nordseeinsel zu haben. Es bedeutet, frühmorgens in den Betrieben zu stehen. Es bedeutet, nach der Arbeit in Vereinen für Zusammenhalt zu sorgen. Es bedeutet, gute Gastgeber für Feriengäste zu sein. Es bedeutet Nachbar von Erst- oder Zweitwohnungsbesitzern zu sein, die man teilweise ewig kennt. Es bedeutet, sich zu grüßen, sich umeinander zu kümmern, füreinander da zu sein. Wir leben in einem Dorf, in dem das Miteinander noch zählt. Wir brauchen kein Privileg – wir brauchen Normalität.
Und wenn jemand fragt, ob wir das sagen dürfen – dann erinnern wir uns an die Worte von Manfred Degen: „Sylter dürfen das.“
Im Namen des Ortsbeirats möchte ich meinen Dank an alle aussprechen, die
zum Gelingen der heutigen Biike beigetragen haben:
* Jan Junge, für die Organisation der Biikewache.
* Harald Wegner und die Hartgesottenen, die die Nacht bei der Biikewache
zum Tag gemacht haben.
* Den Spielmannszug Rödemis, der uns heute mit Musik begleitet.
* Die Freiwillige Feuerwehr, die wie immer zur Stelle ist.
* Die Kinderfeuerwehr Archsum, die die Biikepuppe gebaut hat.
* Dieter Ingwersen und seine Crew, für das Entzünden des Feuers.
* Anika Schier von der Gemeinde Sylt, für die Unterstützung bei der
Organisation.
* Und natürlich die Round Tabler, die uns mit hochprozentiger Bewirtung
versorgen.
Ihr alle haltet Sylt lebendig!
Uns allen wünsche ich eine fröhliche Biike, ein geselliges Grünkohlessen und den Kindern und Erwachsenen viel Spaß am morgigen Petritag.